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Lost in thoughts

Ich schreibe, weil ich für meine Texte fast keine neuen Ressourcen verbrauchen muss. Das Schönste wäre, ich würde dafür bezahlt werden. Dann könnte ich damit andere für ihre Texte bezahlen. Ich denk‘ mir das nämlich so: Ein reduzierter Konsum bedeutet nicht, nicht zu konsumieren. Aber zu überlegen, wo es sich lohnt zu verzichten und wo nicht. ATJ

* WELCOME BACK *

Bitte sei kein Dieb, klaue keine Gedanken. Mit Textsteinen ist es wie mit Kirschen: Wachsen sie in fremden Gärten, sind sie selten ein Genuss, sind sie geklaut. Das schlechte Gewissen macht sie sauer. Darum besser fragen: Es hat nämlich genug für alle.

Courage, dear little heart – Küss die Nacht für mich für immer, aber bitte konsumier dich nicht zu Tode.

Foto: ATJ

25. Juni 2020 /// Und plötzlich schimpfen sie mich erwachsen. Immer zu fragen sie mich, was ist denn nun? Was bist du jetzt? Was wirst du tun, jetzt wo du fertig bist mit deinem alten Leben? Und ich? Ich weiss es nicht. Weiss nur, lieber suchend für immer, statt gefunden und gefangen in ihrem System. Diesem abstrakten System voller Hirngespinste. Kochen alle mit Wasser, bauen sich Gerüste, um sich selbst zu legitimieren. Sitzung starten mit Eisbrechern. Ferien waren toll und dein Leben. Also zur Sache, die Minutes übernimmt ein anderer. Time-Management. Der junge Mann am Tisch, hat dazu Kurse besucht, sagt er. Muss man lernen. Wissen wo, es sich lohnt, zu investieren für die eigene Weiterentwicklungen. Das ist eine Fähigkeit, die muss man sich erwerben, sagt er. Jetzt habe ich aber keine Zeit, nur wenig Zeit, weil ich bin wichtig, sehr wichtig, unverzichtbar wichtig. So habe ich mir das gedacht, so habe ich es konstruiert. Meine Zeit hat einen Wert. Einen monetären Wert, den man mir bezahlen kann. Verstehst du jetzt? Wie viel Wert hat deine Stunde? Welche Stunde? Welche Stunde? Arbeitsstunde? Lebensstiles? Welcher Wert hat die Zeit? Ich bleib‘ stumm und unverstanden.

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Denke immer zu daran, bitte, bitte keine Alltagsexistenz in ihren sozialen Strukturen. Denke am Morgen daran, denke am Abend daran: Niemals nie die Stundenwelt des Alltags strukturieren. Mir wird schlecht. Meiner Zeit monetären Wert bemessen. Mir wird schlecht. Warum sollte ich mehr verdienen als jene? Mir wird schlecht. Das ist prekär, prekär – schreit er. Warum soll meine Zeit mehr wert haben? Mir wird schlecht.

Was ist mein Wert; was ist sein Wert; was ist deiner und was ist unserer Mehrwert? Haben zwei mehr als einer oder einer mehr als alle? Wem nützt man? Der Lebensqualität von vielen? Dem Gedankenexperiment einiger weniger? Sich selbst? Um was geht’s hier? Um mich? Um uns? Um das? Welchen Mehrwert hat es für dich, wenn ich das tue bzw. nicht tue? Und welchen Mehrwert hast du für mich? Gibst du ihr nun einen Kuss? Schenkst ihr eine Umarmung?

Nach dem Wert meiner Arbeitszeit, fragst du mich. Nach dem Wert meiner Lebenszeit, frage ich dich. Das alles fühlt sich so fremd, so eigenartig, so abstrakt an.

(…) Ruhe nur noch unendlich verlangsamte Bewegung.

Michel Foucault

Attention – and the desire of escapism that accompanies it – is the new religion of our time.

Juni 2020 // Oft spreche ich von einer kollektiven Verantwortung gegenüber der natürlichen und sozialen Umwelt, doch bin ich mir eigentlich wirklich bewusst, welche Narrative meinen Kleidern innewohnen? Kenn’ ich wirklich die Geschichte dieser Textilien, die bis heute eng mit  ausbeuterischen Praktiken verwoben sind. Weiss ich Bescheid über Lieferketten? Weiss ich, wer meine Kleider gemacht hat? Durch welche Hände sie unter welchen Bedingungen geflossen sind?Verfüge ich über ein reflektiertes Geschichtsbewusstsein? Weiss ich, welche Geschichte und sozialen Missstände untrennbar mit diesen Geweben, die ich so sehr mag, verwoben sind? Inwiefern stelle ich mich zur Rechenschaft, sehe ich mich selbst als Täter, wenn ich naiv & unbedacht beispielsweise Baumwolle trage? Ein Material, das auf eine lange Entwicklungs- und Enstehungsgeschichte zurückblickt, eng mit der Ausbeutung fremder Kulturen und Sklaverei verzahnt. Weiss ich genug Bescheid über die düsteren Kapitel der „ach so angenehmen organischen Stoffe“? Gehört es nicht auch zu unserer Verantwortung, diese Geschichte transparent zu machen, sie zu vermitteln. Das sind Fragen, die mir in letzter Zeit öfter durch den Kopf gehen.

PLEASE MISS ME

Was wünschst du dir, fragst du mich. Dürfte ich uns was wünschen, es wäre, dass wir einen liebenswürdigen Umgang mit unserer sozialen und natürlichen Umwelt pflegen. Das wir uns bewusst sind, dass jeder Schritt, jede Aktion, jeder Gedanke zählt. Dass wir alle eine Wirkung haben. Virtuell. Analog. Immer. Dass es schön ist über diese Wirkung zu sprechen: Möglichst wertneutral, unsere Wahrnehmung zu teilen. Wie du auf mich wirkst bzw. ich auf dich, ist fundamental für die Qualität unserer gemeinsamen Realität. Die Virtualität hat unser Schweigen gestärkt, dabei liegt so viel Kraft im Diskurs. Das alles antworte ich dir und denk’ mir noch viel mehr.

«Zeit liegt still, Zeit ist angehalten. Im Vakuum zwischen gestern, hier und dann. Nichts Neues zu erwarten, nur Altes zu lieben. Zeit, halte inne. Jetzt hält sie inne. Bleibt noch ein wenig. Zeit, dankbar zu sein. Für was war, was ist. Keine Zeit für Zukunft. Präsenz, Präsenz jetzt!» – Notizen AT, 2020 


Bereits jetzt wissend, dass das heute wieder passiert. Auch ohne mich, wieder und wieder und immer wieder.

FORMS MOVE AND ARE BORN, AND WE ARE FOREVER, MAKING NEW DISCOVERIES.

Kasimir Malevič


Für den einen schweizerischer Durchschnitt, für den anderen das grösste Privileg ever – ein Zuhause. 

Lass’ mich träumen von einer Welt, in der wir alle besser mit weniger leben können.

ATJ

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