The attempt of a public discussion of a topic on social media

/dɪˈskʌʃn [uncountable, countable]

discussion (of something) a speech or a piece of writing that discusses many different aspects of a subject.  – Oxford Dictionary

Kontext

Soziale Medien sind ein öffentlicher Raum, in dem soziale Interaktion stattfindet. Die Erzählform gleicht dabei meist der eines Monologs. Egal ob in Bilder oder Text produzieren wir in Kommentaren, Posts und Stories ständig Statements. Diese werden von den Rezipienten oft nicht in der Hinsicht verstanden, wie vom Produzenten ursprünglich intendiert. Sprich, Lea poste ein Bild ihres Sofas, weil ihr dieses gerade im Sonnenlicht gut gefällt. Ihre Arbeitskollegin Saskia sieht es, denkt aber nicht, was für ein schönes Sofa in der Sonne, sondern “aha so sieht bei der also Home-Office aus”. So entstehen konstant Missverständnisse. Selten wird direkt reagiert. Die Missgunst und das negative Gefühl behält jeder für sich. Gespräche und wirklicher Austausch finden in diesen Medien immer seltener wirklich statt. Wir haben zwar das Gefühl, wir wären konstant sozial, am interagieren. In tat und Wahrheit verbreiten wir aber nur unsere eigene Meinung und projizieren unsere Wahrnehmung wiederum in die Posts von anderen.

Personal Message

Ich finde, in dieser Interaktionskultur verlernen wir das Gespräch. Wir verlernen, wie man argumentiert, ohne dass das Gespräch vernichtet und abgebrochen wird.  Eine Debattenkultur, die gemeinsame Erkenntnisse ermöglicht, existiert auf Insta kaum. Weil wir oft gar nicht mehr unterscheiden zwischen (ver)urteilen und empfinden. Oft sagt man dann nicht mehr, „ich finde, das ist falsch“, sondern „das ist falsch“. Das Zweite, das durch den Gebrauch von Instagram leidet, ist das Einander-Zuhören. Oft habe ich gar nicht mehr die Geduld abzuwarten, bis ich jemanden wirklich verstanden habe. Desto länger die Person ausführt, desto rigoroser versuche ich das Gegenüber abzuklemmen. Das erschwert u.a. auch die Kommunikation mit älteren Leuten. So wie beim Film heute viel schneller geschnitten wird, sind sich die nicht gewohnt, dass man nur 15 Sekunden Aufmerksamkeits-Spanne zur Verfügung hat. Denn was ich will, sind Statements, damit ich mir mein Urteil bilden und mein Gegenüber möglichst schnell in eine Schublade stecken kann. Das hat die oder der gesagt, so ist der oder die. Dann like ich halt public, oder hasse stillschweigend. So richtig die Vor- und Nachteile vom 2nd-Hand-Pelz-Tragen habe ich dann aber nicht ausdiskutiert. 

Die Reaktionen von jenen, die sich getriggert fühlen und den Mut aufbringen, öffentlich Position zu beziehen, schildern einen ziemlich vielperspektivischen Sachverhalt. So wird darauf hingewiesen, dass Pelz durch die Regulierungsjagd aber auch aus der Fleischproduktion verbrannt wird. Dass das diametral gegen das „Nose-to-tale“-Prinzip, also möglichst viel vom getöteten Tier zu nutzen, geht. Dass vergleichbare, neuproduzierte Materialien Unmengen von Schadstoffen und Ressourcen bedeuten. Darüberhinaus wird auf die persönliche emotionale Bindung zu gewissen (Erb)stücken mit Geschichte verwiesen. Demgegenüber wird argumentiert, dass man dem Pelz eben nicht ansehe, ob er 2nd-hand sei. Sprich, beim Tragen werden visuelle Trends verbreitet, die dann wieder in der Konsumindustrie aufgenommen werden. Ein starkes Argument, dass tatsächlich in einer Gesellschaft, die nicht differenziert diskutiert, an noch mehr Schlagkraft gewinnt. 

Das Tragen von 2nd-Hand-Pelz ist, wie so vieles in einer ausdifferenzierten Gesellschaft, eben nicht einfach mit ja, nein zu beantworten. Es gibt verschiedene Sichtweisen. Ich glaube, es geht darum, für sich selbst rauszufinden, welche Position man bezieht. Dafür muss man sich informieren können und diskutieren. SoMe lassen uns zwar unsere Statements setzen, danach fehlt oft die Moderation. Die eigene Meinung oder jene des Gegenübers verlieren sich in den Untiefen der virtuellen Welt. Die Wut bleibt in der Analogen umso mehr. 

Ich bin nicht besser. Mache das auch. Darum entblöße ich mich hier, um wenigstens ein wenig Raum für (Selbst)Reflektion öffnen zu können. Wenn nicht für Andere, dann wenigstens für mich, because „I’m a bitch, I fly“. Ich bin auch nur ein egoistisch-narzistisches Kind meiner Zeit.

Übersetzung