N°1681

CHF 129.00

Wie viel Wert hat eine Zeit, die man nicht teilen kann?

Das ist eine Lieblingsblouse. Meine Lieblingsblouse. Ich könnte sie immer tragen. Auf nackter Haut, mit Baumwolle darunter, Wolle drüber, ganz egal. Geteilte Liebe ist mehr Liebe für alle. Deshalb gehört der Schnitt jetzt nicht mehr nur mir, sondern auch dir. 

Die Blouse könnte Unisex sein. Funktioniert immer, finde ich. Wäre ich ein Mann, würde ich sie auch tragen. Aber das ist meine eigene Projektion. Schliesslich ist die wäre-Konstruktion ja dann doch immer nur das Subjekt am Betonen. Bringt dem Anderen nur selten was. Muss ja schliesslich dann doch jeder sich selbst leben. Ok, wie auch immer.

Zeichnen. Abzeichnen. Ausschneiden. Zusammenfügen. Entwerfen. Umklappen. Bügeln. Nähen. Ausbügeln. Nähmaschine zum Service gebracht. Gezwungenermassen nebenan weiter nähen. Alles dauert länger. Schuld trägt immer Anna-Thea. Ursi sagt ihr, was zu tun ist. Sie sieht nur spanische Dörfer. Die einzelnen Versatzstücke? Sie sind längst abstrakt geworden. Die Vorstellungsgabe für die Blouse im Kopf verloren gegangen. Ursi weiss, welcher Stoff wo, wie zu liegen hat. Die Naht bis dorthin und nicht weiter. Halt Stopp. Am Schluss ein Hemd. Aha.

Ausführen ist schön. Angeleitet zu werden, ein Privileg: Man kann lernen, sich verbessern. Jemand nimmt sich die Zeit. Die Arbeit ist konkret. Nichts Abstraktes. Am Ende ist da das Hemd. Hinter Hemden versteckt sich viel Arbeit. Das weiss ich erst seit jetzt. Floskeln machen plötzlich mehr Sinn. Aufwand, Kosten, Arbeit, Ausbeutung, Gewinner und Verlierer. Alles wird konkret, weil plötzlich erkennt man den Wert des Hemds. 

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